Horseback Riding Vacations at the Horse Holiday Farm

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27.07.2008
Auf dem Pferd durch Irlands Westen
Auf den Klippen traben, durchs Moor waten:
Reiten auf der Grünen Insel ist Genuss und Herausforderung

Text und Fotos: Chonja Lee


Wechselvoll ist nicht nur das Wetter, sondern auch die Landschaft: hier die Dünen über dem Trawalua Strand hinter dem Ort Cliffony


Irland wie man es sich vorstellt: herausgeputzte Steinhäuser

Macht Spaß: Nach dem Putzen ausgedehntes Wälzen im Gras


Wind und Wasser: Der nasse Strand erweist sich als die ideale Rennstrecke


Wo geht es lang? Die Karte gehört hier zur Reiterausrüstung

Die Propeller des Kleinflugzeuges arbeiten auf Hochtouren. Wolkenfetzen geben den Blick frei auf sorgfältig mit Trockensteinmauern eingezäunte, hügelige Schafweiden, einen dunklen See, dann und wann ein Haus. Endlich erscheint die irische Nordwestküste mit den wie für ausgedehnte Galopps geschaffenen Sandstränden und dem majestätischen Tafelberg Ben Bulben. An seinem Fuß liegt das Ziel des viertägigen Wanderritts, das Grab des Literaturnobelpreisträgers William Butler Yeats. Hier in Sligo fand er sein «Land of Heart's Desire».

Colette Anhold, Hausherrin der «Horse Holiday Farm» bittet die eingetroffene Fünfergruppe zu einem Irish Breakfast als Stärkung. Danach soll es losgehen zu einem mehrstündigen Ritt. In der Sattelkammer wird man aber zuerst einmal ausgelacht: «You are so clean!», amüsieren sich drei kanadische Ladys, die gerade vom Yeats-Trail zurückgekehrt sind. Sie haben im knietiefen Moor die Pferde führen müssen und sich mehrfach verirrt. Eine der Damen steckt uns zum Abschied ein Döschen Wundcreme zu.

Die «Horse Holiday Farm» mit ihren rund 100 Pferden schickt Tier und Reiter auf mehrtägige, ungerührte Trecks. Dies ist in Irland ein einzigartiges Angebot. Der Deutsche Tilman Anhold verliebte sich vor 35 Jahren in seine Colette und den abgelegenen Zipfel Erde am Atlantik. Die Pferdenarren kommen aus Deutschland, England, aber auch aus Australien, den USA und sogar Japan zum Reiten ohne Limit. Man trifft hier «Rösseler» aller Alters- und Berufsgruppen. Regenmantel, Reithelm und spätestens der Dreck machen alle gleich. Oder doch nicht? Achtzehn Ehen sollen hier jedenfalls ihren Anfang genommen haben.

Salzluft beflügelt
Kaum sitze ich im Sattel von Schimmel Nordic mit der Silbermähne, drängt er schon vorwärts. Die Pferde hier laufen gerne, sind stark und spritzig, gleichzeitig aber sehr ausgeglichen. Kein Wunder, die Saison dauert wetterbedingt nur von April bis Oktober, den Rest des Jahres verbringen die Tiere auf der Weide.
Es geht im Zickzack durch die Heide. Kaninchen und ein Fasan werden im flotten Trab aufgescheucht. Gestochene Torfbrocken trocknen an der Sonne, und weiße Moorgras-Büschel wiegen sich im Wind. In der Ferne ragt die unwirkliche Silhouette von Classie Bawn Castel in den mittlerweile ins Zwielicht getauchten Himmel. Im «Coffee-Pot» finden wir Unterschlupf vor dem Nieselregen und Scones vor dem Strandgalopp.

Sobald die Tiere Salzluft in den Nüstern und Sand unter den Hufen haben, gibt es kein Halten mehr. In den Steigbügeln stehend, donnern wir die Atlantikküste entlang. Erst vor einer steinigen Stelle parieren wir die Pferde. Ohne mit der Wimper zu zucken, stampfen die für ihre Trittsicherheit und ihren Mut bekannten Irish Hunter über die mit Algen bewachsenen, glitschigen Felsbrocken heimwärts. Im Bed and Breakfast angekommen, legen wir uns überwältigt und noch in voller Montur aufs Bett und füllen den Wunschzettel fürs Frühstück aus: Porridge, Eier, Speck, Schinken, Bohnen und Pancakes. Am nächsten Morgen trägt die Hausfrau im Esszimmer stilecht auf Spitzendecke auf und fragt sich, wer um Himmels Willen all das bestellt habe.
Die Zeit ist in dieser Wildnis belanglos, nur für die Überquerung des Wattenmeers wird ein Blick auf die Uhr und den Tidenplan geworfen.

Gespenstische Stille liegt über dem Unort, der weder Land noch Wasser ist. Nur das Aufsetzen der Hufe auf dem nassen Sand und das Schnauben der Tiere sind zu hören, ein Fischreiher verschwindet im Nebel. An einer Ruine
vorbei jagen wir in die Dünen von Dernish Island zur Robbenkolonie. Auf dem Rückweg peitscht die Flut bereits hohe Wellen an den Strand. Hier liegen noch immer drei 1588 im Sturm gesunkene Schiffe der spanischen Armada. Wir setzen an zum Galopp unseres Lebens. Nordic rennt erfreulicherweise immer weit voraus, denn wer zurückbleibt, kriegt ein Sand-Peeling verpasst. Die Pferde bekommen dafür eine Abkühlung in der Brandung, bevor es zu Familie Woods geht. Gastgeber Michael liebt das Erzählen: wie Countess Markievicz von Poet Yeats umschwärmt und, während sie im Gefängnis saß, als erste Frau ins Unterhaus gewählt wurde, wie die IRA1979 Lord Mountbatten mit seinem Boot bei Mullaghmore in die Luft sprengte und dass sein Schloss heute von einem Millionär bewohnt wird. So geht es munter fort.

Am Pferdebauch hängend
Pferden und Reitern begegnet man in Irland freundlich. Autofahrer lassen uns den gesetzlich verankerten Vortritt, und obwohl auf drei Iren ein Pferd kommt, winken die Kinder uns erfreut zu. In Cloughboley angekommen, tischt uns Mama Ciaire schon Tee und Cookies auf, bevor wir aus den Reitstiefeln sind.
Die Natur behält hier stets die Oberhand: Kaum sind die Pferde abends geputzt, wälzen sie sich schon genüsslich. Das Guinness haben wir uns noch nie so hart verdient - die Wundcreme tut gute Dienste. Auch das Wetter verwöhnt selten. Als wir hoch über dem Meer auf den Klippen traben, mischt sich plötzlich Regen in den Westwind, so dass wir die Küste hinter uns lassen und landeinwärts trotten.

Die vierte und letzte Etappe bringt einige Überraschungen mit sich. Beim Galopp am acht Kilometer langen Lissadell-Strand verliert Nordic ein Hufeisen. Während der Stall verständigt wird, nutzt Cruiser die Pause und versucht, sich samt Sattel und Reiterin in den Sand zu legen. Das auf den gälischen Namen Gaynor hörende Ersatzpferd wartet schon. Rasch wird umgesattelt, und nach nur wenigen Metern im Schritt hängt die Reiterin plötzlich am Pferdebauch. Nach mehrmaligem Nachgurten reiten wir in einen märchenhaften Kiefern- und Birkenwald. Stauden von rotem Fingerhut stehen wie Zauberwesen am Wegrand. Allzu verträumte Reiter holt ein tief hängender Ast auf den Boden der Tatsachen zurück.

Zum Schluss wird das Hochmoor in Angriff genommen. Zwischen wildem Rhododendron, wucherndem Ginster und aus dem Morast schießenden Farnen windet sich ein schlammiger Trampelpfad. Das schmatzende Geräusch der versinkenden Hufe begleitet uns. Kaum sind wir aus dem Dickicht getreten, thront der Berg Ben Bulben wie ein Schiffsbug über unseren Köpfen, und im Tal ist bereits der Kirchturm von Drumcliff auszumachen. Dort nehmen wir Abschied - an Yeats Grab.

Reitferien in Irland auf einen Blick
Anreise: Aer Lingus und Ryanair bieten derzeit Tarife von Zürich nach Dublin und zurück von unter 200, Swiss von unter 300 Franken an. Aer Arann fliegt zweimal täglich für 80 Euro von Dublin nach Sligo.
Übernachten: Bed and Breakfast von der «Horse Holiday Farm» organisiert oder www.sligotourism.com individuell buchen. Preise: ab 64 € für zwei Personen im DZ.
Reiten: Die «Horse Holiday Farm» organisiert für erfahrene Reiter nicht-
geführte 4- bis 8-tägige Wanderritte in den Grafschaften Sligo und Donegal. Weniger Geübte können auf ruhigen Irish Cobs und Irish Huntern geführte Ausritte zum Strand unternehmen. Tel. 00353 71916 6152, www.horse-holiday-farm.com, Preise: ab 530 € pro Person inkl. B&B-Übernachtung im DZ.